Geht’s ohne Charisma für Merkel, Gabriel & Co?

Das Schweigen der Mächtigen

800.000 Flüchtlinge kommen in diesem Jahr nach Deutschland, so Innenminister Thomas de Mazière. Antje Sirleschtov fragt und kommentiert im Tagesspiegel vom 21. August 2015: „Und was tut die Bundesregierung, was die mächtigste Politikerin Europas? Angela Merkel hat die Lage im Fernsehen kurz umrissen. Demnächst will sie auch ein Flüchtlingsheim besuchen.“ Zitat Ende. Vizekanzler Sigmar Gabriel beeilt sich, über Fernsehen, Funk und Print die frohe Botschaft zu verkünden, dass er die Heidenauer Flüchtlings-Notunterkunft nach den rassistischen Ausschreitungen vom Wochenende als erstes Regierungsmitglied besuchen wird.

Substanz ist gefragt. Auch in der Kommunikation.

Es sei den Herrschenden unseres Landes wohlwollend unterstellt, dass ihre faktische Arbeit substanziell ist. Schade nur, wenn sich die Kommunikation, über den Gehalt ihrer Arbeit so substanzlos gestaltet. Frei von jeglicher Ausstrahlungs- und Anziehungs-Kraft. Einer von Beiden wird voraussichtlich trotzdem gewählt werden. Obwohl keinem von Beiden Charisma zugesprochen wird. Angesichts der in zwei Jahren bevorstehenden Bundestagswahl werde ich ihre Kommunikation hier an dieser Stelle in den folgenden Monaten immer wieder mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Was hat das mit Ihnen, den Leserinnen und Lesern dieses Blogs, mit all den Führungskräften, Verkäufern und Vortragsrednern zu tun? Wenn man doch auch ohne Charisma an die Macht kommt und sie lange für sich zu erhalten vermag (Frau Dr. Merkel regiert seit 10 Jahren und wird 2017 aus heutiger Sicht der Demoskopen eine weitere Legislaturperiode als Kanzlerin antreten), gibt es dann überhaupt die Notwendigkeit, an der (Wieder-) Entwicklung des eigenen Charismas zu arbeiten?

Meine Antwort auf diese Frage ist ein klares „Ja!“ Denn wer über Charisma verfügt, wird eher in der Lage sein, das Substanzielle seines täglichen Schaffens auch gehaltvoll zu kommunizieren. Und wer gehaltvoll kommuniziert, wird den Dialog mit seinen Zielgruppen so gestalten, dass er oder sie als Person mit den eigenen Ideen und Angeboten aus Überzeugung und Begeisterung und nicht mangels besserer Alternativen (aus-)gewählt wird.

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  1. Für einen Regierenden ist ein charismatisches Auftreten die einzige Chance um in einer sehr emotional aufgeladenen Fragestellung wie dem Umgang mit Flüchtlingen mit klaren Aussagen gewinnen zu können. Die Flüchtlingsproblematik weckt extrem starke emotionale Gefühle wie beispielsweise Angst, Scham, Hilflosigkeit und Wut. Das Nachrichten- und Boulevardgeschäft verdient am Anfachen der Emotionen. Die Mode der Shit-Storms trägt weiter dazu bei.
    Zu Charisma gehört Mut und Bekenntnis zur eigenen inneren Haltung. Den sehe ich leider in der Flüchtlingsfrage nicht bei einem einzigen Regierungsmitglied. Und so bleibt das Feld der klaren Aussagen denen überlassen, die entweder nichts zu verlieren haben oder sich erst noch profilieren wollen. Ich kann nur hoffen, dass diejenigen, die in Flüchtlingen Menschen und Ihresgleichen erkennen und eine Willkommenshaltung leben die charismatischeren Vertreter in ihren Reihen haben.
    So betrachtet wird Charisma auch immer bedeutsamer für Menschen, die nicht im öffentlichen Fokus des Geschehens stehen, sondern in ihren Kreisen andere für sich und ihre Sache gewinnen.